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Dienstag, 15. Oktober 2013

Häng dich doch auf, du Depri



"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein."
Jiddhu Krishnamurti, indischer Philosoph, 1895-1986 



Blumen und Licht. Aquarell
Depressive Menschen sind ein Lackmus-Test, ein Warnsignal für die Gesellschaft, sie sind Charaktertester für ihr soziales Umfeld, falls sie überhaupt noch eines haben. Depressive sind womöglich die letzten Exemplare dessen, was man früher mit dem Prädikat "menschlich" bezeichnet hat als Gegensatz zu "unmenschlich". 
Nach epidemiologischen Studien erkranken etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung im Lauf des Lebens an einer Depression. Gemeint sind damit nicht leichte Verstimmungen, sondern behandlungsbedürftige psychische Probleme. Die von Jahr zu Jahr steigenden Fallzahlen lassen hoffen, dass irgendwann auch der abgestumpfteste, emotional verkrüppelte Rest erkennt, dass etwas grundsätzlich faul sein muss im System. Es ist kein Zufall, dass sich die Zahl psychischer Erkrankungen in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt haben.

Mittwoch, 18. September 2013

Reif zur Übernahme III



"Die alte jüdische Legende von den 36 unbekannten Gerechten, die immer da sind und ohne deren Anwesenheit die Welt in Scherben fiele, sagt letztlich darüber etwas aus, wie notwendig solch 'edelmütiges' Verhalten beim normalen Gang der Dinge ist."
Hannah Arendt, 1948,  Frieden oder Waffenstillstand im Nahen Osten?, S. 68 in dies.: Israel, Palästina und der Antisemitismus, Wagenbach, Berlin 1991, S. 39 - 75




Three Wise Monkeys stencil in Barcelona, Spain, 
by grahamc99, flickr
Deutschland ist mittlerweile ein potemkinsches Dorf. Die Regierung bedient nur noch eine privilegierte Minderheit, die in einer vollkommen abgeschotteten selbstreferentiellen Blase, einem Paralleluniversum lebt. Der Rest, die Mehrheit der Bevölkerung, ist abgeschrieben, sich selbst überlassen, nur noch mit dem zermürbenden Kampf um den bloßen Lebensvollzug, die nackte Existenz beschäftigt: Wohnungssuche, Jobsuche, Suche nach Kitaplätzen, Suche nach Zusatzeinkommen, nach Kreditangeboten, Suche nach der günstigsten KFZ-Werkstätte, der günstigsten Tankstelle, dem günstigsten Strom- und Mobilfunkanbieter, der Beschaffung von Drogen. Wenn die Hälfte der Gesamtbevölkerung, die 40 Millionen Menschen, denen seit Jahren das Wasser bis zum Hals steht, von heute auf morgen verschwinden würden, die Privilegierten würden es vielleicht noch nicht einmal merken. Totale Realitätsverleugnung. Auf dem Papier die viertgrößte Industrienation der Welt, mit einem der höchsten Bruttosozialprodukte, in der Realität, hinter den Pappkulissen verrottete Häuserzeilen, ausgestorbene Dörfer, kaputte Straßen und Bahnstrecken, Slums, organisierte Kriminalität, Gewalt, Armut, Krankheit - wie in den Entwicklungsländern.