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Dienstag, 26. März 2013

Mobbinghochburg Deutschland


"Der Sündenbock als Opfer der Gründungsgewalt ist jedoch niemals lediglich ein Objekt des Hasses, sondern ebenso ein Geschöpf der Verehrung: Er sammelt den einmütigen Haß aller in sich auf, um die Gemeinschaft davon zu befreien. Er ist ein metabolisches Gefäß."
Botho Strauß, Anschwellender Bocksgesang, in: DER SPIEGEL 6/1993, 08.02.1993, S. 202-207



Sinkendes Schiff, Aquarell
Der Begriff "Mobbing" stammt ursprünglich aus der Zoologie. Der Verhaltensforscher  Konrad Lorenz beobachtete ein bestimmtes Verhalten von Gruppenangriffen bei Tieren, insbesondere bei Vögeln, das der Abwehr von Fressfeinden dient. Später wurde der Begriff auch im gruppenpsychologischen Kontext verwendet, wenn Gruppenmitglieder eine Einzelperson attackieren, die in irgendeiner Hinsicht von der Gruppennorm abweicht. Der Arbeitspsychologe Heinz Leymann übertrug die tierischen Verhaltensmuster auf Menschen, speziell im Arbeitsleben.

Mobbing ist aus dem englischen "to mob" abgeleitet und bedeutet belästigen, anpöbeln, über jemanden herfallen, angreifen, attackieren. Das deutsche Wort "Mob" hingegen bezeichnet eine gewaltbereite und gewalttätige Meute, ein Gesindel, einen Pöbel, eine Bande.

Es ist hilfreich, sich den Ursprung dieser Wortbedeutung vor Augen zu führen, wenn man sich mit dem Phänomen beschäftigt. Denn es zeigt sich, dass Menschen mitnichten den Tieren moralisch und intellektuell so weit überlegen sind, wie sie sich gern darstellen.