"Sechs friedliche Jahrzehnte haben dafür gesorgt, dass
die Bürger die Grundrechte nicht mehr als schützenswertes Allgemeingut, sondern
als eine Sammlung von Privatansprüchen auf persönliche Bedürfnisbefriedigung
missverstehen. Jeder, der sich vom Leben ungerecht behandelt fühlt, besinnt
sich auf seine "Grundrechte" wie auf einen Forderungskatalog, den
Millionen nörgelnder Einzelkinder ihrem "Vater Staat" entgegenhalten.
In Wahrheit sind die Grundrechte ihrer Konzeption nach keineswegs Gutscheine
auf persönliche Fürsorge, sondern ein Abwehrschirm gegen staatliche
Eingriffe."
Ilija Trojanow/Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit, dtv
2010,. S. 29
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| Spreetshoogte, Namibia |
Was soll man dazu noch sagen? Nichts. Es gibt nichts mehr
zu sagen. Und dabei hat man ja schon so einige Verschwörungstheorien gelesen und
über die meisten im Stillen geschmunzelt. Die Realität übertrifft einmal wieder
die wildeste Sciencefiction-Phantasie. Mahnungen und Warnungen, die man noch
vor 5, erst recht vor 10 Jahren zu Datensicherheit und Privatsphäre gelesen oder selber
geschrieben hat, wirken jetzt angesichts flächendeckender jahrzehntelanger, systematischer Überwachung fast kleinkariert: Was, darüber konnte man sich
früher noch aufregen? In welchem Ausmaß die Einstellung zu Freiheit und Sicherheit während der letzten drei Jahrzehnte gekippt ist, lässt sich im direkten Vergleich zu den Volkszählungsprotesten Anfang der 80er erkennen. Der Zensus 2011 ist auch
weitgehend ohne Gegenwehr geschluckt worden.
