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Montag, 14. Oktober 2013

Nagelprobe


"Sechs friedliche Jahrzehnte haben dafür gesorgt, dass die Bürger die Grundrechte nicht mehr als schützenswertes Allgemeingut, sondern als eine Sammlung von Privatansprüchen auf persönliche Bedürfnisbefriedigung missverstehen. Jeder, der sich vom Leben ungerecht behandelt fühlt, besinnt sich auf seine "Grundrechte" wie auf einen Forderungskatalog, den Millionen nörgelnder Einzelkinder ihrem "Vater Staat" entgegenhalten. In Wahrheit sind die Grundrechte ihrer Konzeption nach keineswegs Gutscheine auf persönliche Fürsorge, sondern ein Abwehrschirm gegen staatliche Eingriffe."
Ilija Trojanow/Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit, dtv 2010,. S. 29



Spreetshoogte, Namibia
Was soll man dazu noch sagen? Nichts. Es gibt nichts mehr zu sagen. Und dabei hat man ja schon so einige Verschwörungstheorien gelesen und über die meisten im Stillen geschmunzelt. Die Realität übertrifft einmal wieder die wildeste Sciencefiction-Phantasie. Mahnungen und Warnungen, die man noch vor 5, erst recht vor 10 Jahren zu Datensicherheit und Privatsphäre gelesen oder selber geschrieben hat, wirken jetzt angesichts flächendeckender jahrzehntelanger, systematischer Überwachung fast kleinkariert: Was, darüber konnte man sich früher noch aufregen? In welchem Ausmaß die Einstellung zu Freiheit und Sicherheit während der letzten drei Jahrzehnte gekippt ist, lässt sich im direkten Vergleich zu den Volkszählungsprotesten Anfang der 80er erkennen. Der Zensus 2011 ist auch weitgehend ohne Gegenwehr geschluckt worden.