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Dienstag, 22. Oktober 2013

Kette der Gewalt



"Obwohl wir alle glauben, dass unsere menschliche Art den höchsten Punkt auf der evolutionären Skala darstellt, gibt es einen kritischen Bereich, in dem es uns nicht gelungen ist, uns weiterzuentwickeln, einen Bereich, in dem wir keine Verbesserung gegenüber unseren Vorgängern darstellen. Und dieses Misslingen ist so fundamental, so kritisch, dass unser langfristiges Überleben auf dem Spiel steht. Letzten Endes stellt es eine größere Bedrohung dar als Krieg, Armut, Hunger, Verbrechen, Verbrechen - auch in der Völkermord-Variante - kombiniert. Das fundamentale Misslingen ist dieses: Wir beschützen und bewahren nicht die Unseren. Unser Begriff von der menschlichen "Familie" als dem Schutzwächter unserer Art hat sich nicht weiterentwickelt. Anstelle dessen ist er in die entgegengesetzte Richtung gegangen - er hat sich zurückentwickelt."
Andrew Vachss, Unsere gefährdete Art, 1998




Hochwasser
Andrew Vachss ist ein US-amerikanischer Rechtsanwalt, der ausschließlich Kinder und Jugendliche in Gerichtsverfahren vertritt. Außerdem ist er Krimiautor und greift das Thema Gewalt gegen Kinder - Vernachlässigung, Misshandlung, sexuelle Gewalt - auch in seinen Romanen auf. Bislang habe ich noch nirgendwo, erst recht nicht im deutschsprachigen Raum, vergleichbare Texte wie die von Andrew Vachss gelesen, Texte, die derart klar und kompromisslos für die Rechte der Kinder Partei ergreifen und von einem derart tiefem Verständnis für die schwerwiegenden Folgen emotionaler Misshandlung zeugen.


Sonntag, 17. Februar 2013

Rules are for Fools


"Apathie kann eine Lösung sein. Ich meine, es ist leichter sich in Drogen zu verlieren, als den Schwierigkeiten des Lebens zu begegnen. Es ist leichter, das was man haben will zu stehlen, als zu verdienen. Es ist leichter ein Kind zu schlagen, als es zu erziehen. Liebe ist anstrengend. Sie kostet Mühe und Arbeit."
Detective Lt. William Somerset, aus dem Kinofilm "Sieben", Regie: David Fincher, 1995

"Es scheint mir, dass unser Hang, dem Aggressor beizutreten, der wesentlichste Aspekt unserer gegenwärtigen Lage ist. Dadurch zementieren wir den Gehorsam. Dieser fesselt den Menschen und ist zugleich die Quelle einer unendlichen Wut und der Neigung zur Gewalt."
Arno Gruen, Verratene Liebe, falsche Götter, Klett-Cotta 2003 



Eisblumen
Folgende Fälle haben mir verdeutlicht, dass die menschliche Verkommenheit, der Verfall der Zivilisation eine qualitativ neue Stufe erreicht haben.
 - der Fall des "Kannibalen von Rotenburg", 2001. Unfassbar, dass es Filmemacher gab, die mit der "Story" auch noch Geld verdienen wollten.
- Der Fall Metzler, 2002.  Das Vertrauen eines Kindes wurde missbraucht, das Motiv ist nichts anderes als Geltungssucht, weil der Täter Geld erpressen wollte, um vor der Freundin, der Familien, dem Freundeskreis besser dazustehen.
- der Fall des Journalisten Daniel Pearl 2002, dessen Hinrichtung gefilmt und der Öffentlichkeit zugespielt worden ist.

Ein Jahrzehnt später artikuliert der SPIEGEL das Unbehagen über den Verfall der Sitten im dem Essay: Wir Asozialen. (Nr. 34, 20.08.2012). Zu spät.