"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Ludwig Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus, 1921, Satz
5.6
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| Grootberg, Namibia |
Seit einigen Jahren
muss ich folgende Beobachtung machen: Immer mehr Menschen sind nicht mehr in der Lage, den Unterschied zwischen einem guten und einem
schlechten Text zu erkennen. Das bedeutet für alle, die sich auf diesem Gebiet
beruflich betätigen - Redakteure, Journalisten, Werbetexter, Lektoren, Autoren
- eine schleichende Entwertung ihrer Arbeit, und das nicht nur materiell. Immer
mehr Menschen fühlen sich inzwischen berufen, ihnen in ihr Handwerk zu
pfuschen, offenbar in der unumstößlichen Überzeugung "Das kann ich auch,
das ist doch nichts Besonderes. Lesen und Schreiben lernt man doch schon in der Schule." Verständlicherweise besteht eine große
Abneigung, den Textmenschen für ihre Arbeit auch noch Geld zu zahlen, für
eine Arbeit nämlich, die in den Augen vieler erstens als zweitrangig angesehen
wird ("Wer liest denn heute überhaupt noch?") und zweitens potentiell
als Arbeit, für man keinerlei spezielle Ausbildung benötigt.
